|
Freitag, 26. Februar 2010 um 13:51 Uhr |
|
Der Landtagsabgeordnete David Langner (SPD) begrüßte die Initiativen der beiden Landesregierungen: "Es unterstreicht die Wichtigkeit des Handelns, wenn sich zwei Landesregierungen mit unterschiedlicher parteipolitischer Orientierung in dieser Frage einig sind. Die Forderungen der Bürgerinitiativen werden im fast vollständigen Umfang erfüllt. Ich kann nur hoffen, dass die Bundesregierung die Signale vernimmt und in ihrem Engagement beim Lärmschutz im Mittelrheintal nicht nachlässt."
Artikel aus RZ Koblenz & Region vom Freitag, 26. Februar 2010, Seite 3:
Minister haben offenes Ohr für Bahnlärm
Gemeinsamer Vorstoß von Rheinland-Pfalz und Hessen gegen dröhnende Züge im Mittelrheintal - Alternative Gütertrasse gefordert
Immer mehr Güterverkehr verlagert sich auf die Schiene. Sehr zum Ärger der Menschen im Mittelrheintal, die vor lauter Bahnlärm kaum noch zur Ruhe kommen können.
RHEINLAND-PFALZ. Verärgerte Touristen, die nach nur einer schlaflosen Übernachtung wieder abreisen. Anwohner, die im Sommer zwischen Hitzestau im Zimmer oder dem Lärm vorbeiratternder Züge wählen können. Krimifans, die das Ende des Tatorts nicht verstehen, weil ein mehrere Hundert Meter langer Zug just im Moment der Auflösung minutenlang über die Schienen dröhnt. Das Leben im Mittelrheintal ist ein lautes geworden. Das weiß auch Landesverkehrsminister Hendrik Hering (SPD), dem geplagte Anwohner der Schienentrasse all diese Probleme schilderten und die dieser nun weitertrug, um zu belegen, wie dringend sich die Lärmsituation in den Dörfern zwischen Bingen und Boppard ändern muss.
Mit einem Zehn-Punkte-Programm - Titel: "Leises Rheintal" - wollen Hering, Umweltministerin Margit Conrad (SPD) und ihre hessischen Amtskollegen, Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) und Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU), die Güterzüge in ruhigere Bahnen lenken. Als wesentliche Elemente zur Lärmreduzierung fordern die vier Landesminister den Einsatz von besonders leisen Bremssystemen und eine alternative Trasse für den europäischen Güterverkehr. Schon zu Zeiten des SPD-Bundesverkehrsministers Tiefensee hatten Rheinland-Pfalz und Hessen auf das Lärmproblem im Weltkulturerbetal hingewiesen. Damals wurden zwar viele Versprechungen gemacht, bei denen es aber anschließend größtenteils blieb. "Durch das gestiegene Güterverkehrsaufkommen sind viele Maßnahmen von einst überholt", erklärte Hering. Hessens Minister Posch ergänzte: "Bis 2050 wird sich der Schienenverkehr links und rechts des Rheins verdoppeln." Mit der gemeinsamen Aktion wollen sich die Länder bei Tiefensees Nachfolger Peter Ramsauer (CSU) jetzt neues Gehör in Sachen Bahnlärm verschaffen.
Größtes Problem sind die alten Güterwaggons. Mit einem Bonussystem sollen die Unternehmer nun einen Anreiz bekommen, schnell auf leisere Bremsen umzurüsten. Einen Vorteil von 2,5 bis 4 Cent pro gefahrenem Kilometer stellte Hering in Aussicht; einen entsprechenden Vorschlag wollen Hessen und Rheinland-Pfalz in den Bundesrat einbringen. Wie die Chancen stehen, eine alternative Gütertrasse durchs dicht besiedelte Deutschland zu legen, wollte keiner der Minister bewerten: "Dazu sind umfangreiche Voruntersuchungen nötig", äußerte sich Posch verhalten.
Vertreter von Bürgerinitiativen begrüßten den gemeinsamen Vorstoß der Länder. Sie forderten ergänzend, die Geschwindigkeit von Zügen analog zum Straßenverkehr in geschlossenen Ortschaften auf 50 Kilometer pro Stunde zu begrenzen.
Ein Sprecher der Deutschen Bahn unterstrich, dass das Unternehmen Lärmschutz unterstützt: "Wir wollen den Lärm bis 2020 im Vergleich zum Jahr 2000 halbieren." Bereits jetzt habe man 5000 Güterwagen mit leiseren Systemen ausgerüstet. Gleichzeitig verwies die Bahn darauf, dass Transport nötig sei, um Wirtschaftswachstum zu erreichen. Kritik kam vom Koblenzer Bundestagsabgeordneten der Grünen, Josef Winkler. Er wies darauf hin, dass die Große Koalition im Jahr 2006 einen entsprechenden Grünen-Antrag zur Lärmreduzierung abgelehnt habe. Moritz Meyer Bildquelle: Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau |